Hypocritical Oath oder Sprechen Sie Biopolitik?

BÄK: Ein Drittel der erwachsenen Bevölkerung ist krank und muss behandelt werden (… bei entsprechenden vergütungsrechtlichen Rahmenbedingungen).

Asif Kapadia: Far North (2007)

Eine bestechend ansehnliche und grandios beklemmende Dreiecksgeschichte. Weil ein guter Stoff Universalität beanspruchen darf, können Ort und Zeit der Handlung im Ungefähren bleiben, so irgendwann in der 2. Hälfte des letzten Jahrhunderts, so irgendwo am randigsten Rand der arktischen Tundra. Marodierende Soldaten, die dann und wann erscheinen, sprechen so zufällig Russisch wie die Hauptfiguren das Englisch in der jeweiligen Varietät ihrer Darstellerinnen, it doesn’t matter anyway.
Es geht hier nämlich gar nicht darum, ausgedachte Stellvertretermenschen in eine Geschichtsgeschichte hineinzustellen und sie, wie von der teleologischen Hand aufgezogen, in Richtung Gegenwart durch die Kulissen laufen zu lassen. Es scheint, man mache uns nur bekannt mit dem niederträchtigen Menschen und seiner Tante, der feindseligen Natur, um uns einzuschärfen, dass die Befriedigung der Grundbedürfnisse eine prekäre Angelegenheit sei. Die Flashbacks der Saiva tragen auch eher dazu bei, die Empfindung des Bedrohtseins interessant und mithilfe der wenigen Nebenfiguren anzureichern, als dass sie eingeschobene Anmerkungen zu Figurenpsychologie oder Handlungsmotiven wären.
Es hat einen unaufdringlichen feministischen Subtext. Die Autorin der Vorlage wird der Mystikschublade der feministischen Literatur zusortiert, wenn ich die Informationsklötzchen richtig gestapelt habe. Die einzige wahrhaft mystische Szene ist aber eigentlich die, wo der Mann den beiden Frauen demonstriert, dass der komische Kasten am Ende des Boots in echt ein Aussenbordmotor ist, und wie man den sachgemäss in Betrieb nimmt. Weiteres Gender-Aha stand aber nicht im Drehbuch, die Szene sei hier nur notiert, weil sie unter dem Eindruck, der vom keine Minute zu langen Ganzen bleibt, rasch vergessen wäre.
Aber auch, wenn das Vorher noch stärker reduziert und um ein paar mehr oder weniger originelle Rückblenden-Todesarten kürzer gewesen wäre, das Ende wäre immer noch so grauslich überraschend wie folgerichtig.
Wie es scheint, ist dieses ungewöhnliche Stück bislang nicht für hiesige Kinos vorgesehen. Das ist bedauerlich, denn es ist zweifellos ein Film, der nach einem grossen dunklen Saal verlangt. [i]

Oberhafen

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Ein Einkauf auf der Basis von 15×0,25, 9×0,15 und 9×0,08. | Die, wie sie selbst es genannt habe, orientalische Leichtigkeit werde man ihr nicht mehr durchgehen lassen. | Der Staat bestellt mehr Volk (Mitschnitt) | »Bitte bestätigen Sie mir diesen Termin.« | Die Moral im Staat oder Murat Kurnaz war nicht Schachweltmeister.

Hundert Deutsche

Nach neueren Statistiken sind vierzig von ihnen damit beschäftigt, dem Lohnzwang in seinen vielfältigen Geläufen zu folgen und die täglich wiederkehrende Zumutung als sinnhaftes Geschehen zu begreifen. Zwanzig eignen sich soeben den dazu erforderlichen Gebrauch des kognitiven Apparats an. Weitere zwanzig scheitern gerade bei dem Versuch, von den Folgen des sinnhaften Geschehens zu genesen. Fünfzehn arbeiten daran, allen anderen und sich selbst falsche Fährten auszulegen. Drei halten sich mit unterschiedlichen Verblendungen jenseits der Grenzen auf. Die letzten beiden pflegen »Deutschland« in die Medien ein und spielen dabei Dissens.

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Child_Benefit_Data.zip | Journalism 2.0 oder J. Bisky betextet jetzt Anne-Will-Bilderstrecken | Über den vernünftigen Gebrauch des öffentlichen Raumes | Von der Gegenwart einer globalen Erfassungs-, Zuweisungs- und Lizenzierungsgesellschaft her werde man die bürgerlichen Freyheithen – verantwortungsloses Agitieren, gefährliches Vagieren, Selbstverstümmelung! – ansehen wie von heute aus die Jagdprivilegien des Adels. Zusammenlegung aller Daten jetzt!

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»Hamburg Port Authority« | Kyffhäuser21 | Sie habe eh nie begriffen, warum der Thierse als sprachgewandt gelte. Um beim Beispiel zu bleiben: Für jemanden, der im Dunkeln sitzengelassen werde, sei es doch gleichgültig, an welchem Ort das geschehe, das Ludwigshafener Dunkel sei ja nicht dunkler als das Dunkel anderswo. | »Kampf dem Schöneberger Grossbordell! Für gepflegtes, familiäres und nachhaltiges Lohnficken!« | Di 12-14 – Prof. D. Lynch: Einführung ins Yogische Fliegen (3 Credit Points) | Gute Arbeit, deutsche Wirtschaft, schaffendes Kapital und so (.pdf)