Monatsarchiv für November 2008

 
 

Real estate agent’s things

Die Nacht, in der in Amerika ein neuer Führer gewählt wird

Als ungefähr ein Viertel aller Wahlscheine gezählt sind und es danach aussieht, dass der Schwarze Obama der nächste Führer der freien Welt werden wird, erklärt einer der Kommentatoren im US-Fernsehen der übrigen Menschheit in den verbündeten, den rivalisierenden, den verfeindeten und den gescheiterten Staaten, wie sie das zu verstehen hat: Wenn so einer zum Präsidenten gewählt werden kann, muss die Welt uns wieder mehr Respekt entgegenbringen, als es derzeit der Fall ist. Im deutschsprachigen Internet lässt sich derweil ein Distinktionsgewinn mit der glaubhaft zu belegenden Behauptung erzielen, den Namen des wahrscheinlichen nächsten Commander-in-Chief schon vor vier Jahren zur Kenntnis genommen zu haben. Wie an Wahltagen üblich, bezahlt der Sender CNN viele vor und hinter Computerbildschirmen sitzende Menschen, wortreich die Tatsache zu verleugnen, dass sie nur darauf warten können, bis einer der Kandidaten, wenngleich niemals die Mehrheit der Bevölkerung, doch wenigstens die kompakte Majorität von 270 Wahlstimmen erreicht hat. Das ist, als wäre das Publikum unfähig, die elementaren Regeln der demokratischen Anmutung sich einzuprägen, die alle fünf bis zehn Minuten wiederholte magische Zahl. In der überaus sportlichen Magie von Sieg oder Niederlage, die das auf der Grundlage des First Amendment operierende Gewerbe zu beschwören pflegt, geht verständlicherweise verloren, dass auch diesmal mehr als zwei Wahlvorschläge zur Abstimmung standen. Finanziert wird das Honorar des CNN-Personals unter anderem durch Werbung des chinesischen Fremdenverkehrsamts, als hätte sich das Zentralkomitee in Peking, entdecke Chinas Geheimnis, einen subtilen Hinweis darauf gestatten wollen, dass auch die weltbeste Demokratie inzwischen zu einem erheblichen Teil aus den Einlagen volksrepublikanischer Sparbücher unterhalten wird. Als im Fernsehen das wichtigste Resultat dieser Election Night vermeldet worden ist, zeigt das Fernsehen Menschenaufläufe, die die Meldung des Fernsehens bejubeln. Während im Studio afrikanische Amerikaner erläutern sollen, warum sie diesen Abend für die Grösste Nation auf Erden und also überhaupt für geschichtsträchtig halten, fällt kurz das Bild aus. Bevor es wieder da ist, erscheint ein Statusbalken, darunter steht Load Game.

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# Charaktermasken, mit denen der gewöhnliche Mensch im richtigen Leben den Kontakt eher meiden würde # Mehdorn entlässt Tiefensee # bist du eigentlich refinanziert? # die letzte Rassenschranke

Unknown Knowns

Viele Menschen, die genau zu wissen schienen, dass die Haut des Präsidentschaftswerbers dunkel genug war, ihn schwarz zu nennen, wünschten sich, dass er gewählt würde, als Zeichen gegen den Rassismus.

BMELV

Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz Ilse Aichinger (eingeschl.)