Monatsarchiv für September 2006

 
 

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Die Magermodelkontroverse [#] AGB-Szenen: Das ND wollte sie nicht einmal im nach vierzehn Tagen automatisch endenden Probeabo. Ihr sei nämlich negativ aufgefallen, dass der Name »nationalistisch verbrämt« sei. (Wieso verbrämt?) [#] Neue Brille abgeholt, am womöglich allerletzten Sommertag trotzdem mit dem Fahrrad direkt nach Hause gefahren, dabei mal wieder die Gleich geht bestimmt irgendeine Fahrertür auf und ich schlage mir alle Zähne aus und die Brille kaputt-Paranoia aufwallen lassen. [#] Urlaubsbericht: Es sei interessant, dass die Dialekte der Menschen auf beiden Ufern des Flusses vollkommen unverständlich gewesen seien, jedoch auf ganz verschiedene Weise. (AdBl: Hochrhein) [#] Die Oberhirten [#] Vor dem Gesetz: Gebe es denn die Möglichkeit, sich gütlich zu einigen? Nein? Na, dann sehe man sich im Dezember wieder. [#] »Rüttgers attackiert taiwanischen Mutterkonzern«

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25 Jahre später: Wiederbegegnung mit Buck [#] An die Empfehlung aus dem RB-Verbrauchermagazin von ebenfalls zirka 1980 erinnert, Geschirrspül- und Waschmaschinen nicht zwischen 6 und 9 Uhr zu betreiben, weil sonst wegen der Spitzenlast ein neues Atomkraftwerk fällig werde, und dies sofort in den 350 Watt-Computer hineingeschrieben. [#] I think I’m gonna throw up. [#] »Mozart-Skandal: Muss die schöne Opern-Chefin gehen?«

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Nicht gefunden: Chandler in der Library of America [#] Der einzigartige Geruch von alternden Bananen in kaltem Rauch [#] Die Soldaten hätten aber die Frage, ob sie einem Befehl zur gewaltsamen Auflösung des Landtags von Mecklenburg-Vorpommern Folge leisten dürften, nicht zu beantworten vermocht. [#] »Ich bin die Klassenlehrerin […] wie war der Nachname noch gleich?« [#] Deutsche Islamkonferenz bemüht sich um Opernkarten [#] In einer dieser Debattensimulationssendungen im Fernsehen schimpft eine über die falschen steuerpolitischen Weichenstellungen von Rot-Grün. Herr Clement, indessen Aufsichtsrat bei RWE, Dussmann, Dumont-Schauberg usw., schüttelt milde lächelnd den Kopf. [#] 1 Luftballon für 2,50 gekauft. [#] Den Arzt fragen, ob er für die Fastenzeit Tabletten verschreiben kann, weil die in der Sprechstunde verabreichte Spritze mit den Geboten kollidiert. [#] Stresemann wird inzwischen als übler Revisionist geführt, und über die Frz. Revolution müsste man sowieso wieder einmal lesen.

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Wie es eigentlich gewesen (Freelancer Edition) [#] Aus Passagiervölle nahe dem Ubahnfernseher gestanden und haarscharfe Blicke von der Plattform gefangen. Wer sich zuwenig beachtet fühlt, der sind zehn Minuten in diesem Kegel der Aufmerksamkeit zu empfehlen. [#] Seit die Werbesperre den Zählercode schluckte, konnte er sich, von sich selbst unbemerkt, besuchen. [#] »Mitarbeiter revoltieren im Intranet« [#] Dass es dutzende Verben fürs Schlagen gebe, aber immer noch – vom Bücklexikon und Medizinaljargon abgesehen – keines fürs Sex haben. Naja, daran könne nur einen Mangel empfinden, wer sich das Sex haben vorstelle wie das Schlagen, übrigens komme das ja auch so selten vor… [#] Sich vorstellen, ein anderer Mensch hätte einen biographischen Reset hinter sich, weil in einem Internetphotoalbum ein paar neue Sammlungen dazugekommen und ein paar alte verschwunden sind. Ein Menschenleben in Etappen sich vorstellen wollen können.

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cauchemar des coalitions [#] seit gestern sei Ramazan (und meine blöden Diätwitze) [#] paar Stunden, und der alte Schreibknubbel sieht gleich wieder aus wie verbrannt [#] Austria, Italia, Croatia u.a. gastronomische Schwundstufen des Völkerschwachsinns, an denen man vorbeifährt, warum befremden die – gerade in diesbzgl. für säkular gehaltenen Gegenden – weniger als die Vorstellung von einem Gasthaus Germania? (Ha!) [#] Mission Impossible III ist, wenn du die meiste Zeit überlegst, ob du bis dreiundvierzig auch noch so fit werden könntest, dich dann aber auf den Schnitt herausredest [#] Fragile Herbsthitze mit Ostböen [#] »Vermont is referred to as “the state of cheese”, but it’s actually Wisconsin that is the state of cheese« [#] in anderem Zusammenhang auf den Jahrestag des 16. Oktober aufmerksam geworden; ergebnislos erwogen, was heute die Verkleidung der Wahl wäre [#] »Neuenfels’ Idomeneo nach LKA-Gefährdungsanalyse abgesetzt« (Studies in Advanced Islamophobia) [#] B. heute: Er lese gerade, dass Schäuble (»Willkommen ist, wer die Regeln einhält«, werde dessen herzliche Einladung zitiert), der früher illegale Hunderttausenderspenden vom Waffenhändler durchgereicht und auch schon einmal die Verwendung von erfolterten Aussagen in Strafprozessen ganz in Ordnung gefunden habe, dieses Islamdate im Charlottenburger Schloss abhalten wolle. Also dort, wo auch schon der Zuhälter des verzweifelten letzten Versuchs gehaust habe, die Aufklärung in Preussen per Religionsedikt obrigkeitsstaatlich wegzudrücken, und wo neulich das Unterfangen doch ziemlich erbärmlich gescheitert sei, die Leiche des Militarismus, geweihte Haubitzen usw., durch öffentliche Gelöbnisse von staatlich Zwangsverpflichteten wiederzubeleben. Aber das sei nun ja ohnehin nur symbolische Politik – ziehen wir den Funktionärsmuselmanen mal zwei Stunden öffentlich die Ohren lang, danach hat dann die Diskriminierung wieder ein Ansehen, weil sie mit einem Ereignis verbunden werden kann – und den meisten, die es nach Schäuble anzugehen habe, gehe das mangels gesellschaftspolitischer Relevanz zurecht am mit Links abgewischten Hintern quer. Aber auf ihre Symbole verständen sich die Einfädler, das müsse man ihnen lassen. Und dann werde ja auch die unvermeidliche Kelek erscheinen und das Ganze wissenschaftlich absichern. Er, so B. also heute, hätte auch gleich noch den Konzelmann zum ideengeschichtlichen Vortrag Religionsfreiheit in Deutschland. Eine Auslegungssache eingeladen, aber der sei wohl schon gestorben.

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The Quiet Earth [#] »Freizeitpark mit genau einer Attraktion« [#] der Spülwasserrest, der aus den Griffen des zum Trocknen überkopfgestellten Topfes rinnt [#] TR/Delphi.Downloader.gen und die dritte Neuinstallation dieses Jahres [#] Checkpoint [#] der überraschend cremige Schokoladenpudding [#] Der Typhus des Terrorfürsten (TFA) [#] der Ekel vor dem Flickrkunsthandwerk in Weblogs [#] deutsche Bürgerlichkeit

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Wenn die Sehkraft nachzulassen aufgehört hat, muss das kein schlechtes Zeichen sein, im Gegenteil! [#] Vor hundert Jahren, gilt es, waren Rathäuser und Stadtverwaltungen die Orte, an denen die Modernisierung (i.e. Professionalisierung, Technokratisierung, Personalisierung) der Politik in Deutschland schneller voranschritt als in irgendeiner anderen Sphäre der Herrschaft. »Der Bund hat sich committed in dieser Technologie«, spricht der Oberbürgermeister gewesene Minister [#] das Gulasch, das Weblog [#] mit der Zungenspitze den Fortschritt der Befreiung der Zahnhälse verfolgen [#] »für die Schauspieler, Regisseure und Zuschauer endet damit ein über sechzigjähriges Provisorium« [#] wenn man die Figuren in den Schlagzeilen der Groschenpresse nicht mehr erkennt [#] der Überfall auf die Marihuanaplantage [#] tagsüber gehen viele Tiere in den Zoo, wo sie als Tiere arbeiten [#] einem neugewählten Abgeordneten, der sich gegen Missbrauch von Sozialleistungen ausgesprochen hatte, wird nun vorgehalten, dass er seit über einem Jahr krankgeschrieben ist – statt ihn für das Geschick zu preisen, mit dem er sich den zweifellos stumpfsinnigen Verrichtungen in der Lohnarbeitslosenschikanierung entzieht [#] Today’s favourite alliteration (TFA): Tod auf der Teststrecke [#] nein, dass Kündigungen nicht sozial ungerechtfertigt sein dürfen, das steht da eigentlich nur so.