Monatsarchiv für January 2005

 
 

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Nach dem Überfall im Juni war der Wunsch aufgekommen, eine grosse Zahl sowjetischer Kriegsgefangener in räumlicher Nähe zu jenen Orten unterzubringen, wo noch etwas Arbeitsleistung aus ihnen herausgeholt werden konnte, bevor auf die eine oder andere Weise der Tod eintrat. So machte man sich an die Planung eines Erweiterungsbaus. Jede Koje, also der Platz, welcher in den Lagern auf Reichsgebiet einem Insassen zur Verfügung stand, sollte hier drei Gefangene aufnehmen, schliesslich sogar vier. Eine Änderung im letzten Moment, durch die die Belegung – freilich eine statische, rein rechnerische Grösse – auf rund 130000 gesteigert werden konnte. Die Anlage für die Juden in Anspruch zu nehmen, war eine Entscheidung, die nicht der Planung entsprach, jedoch bei der Lagerleitung auf eine flexible Reaktion stiess. So konnte man bei der Herrichtung von zwei nahegelegenen Katen, den ersten an diesem Ort fest installierten Tötungseinrichtungen, insbesondere aus der praktischen Erfahrung schöpfen, die in Chelmno mit den Gaswagen gesammelt worden war. Unter den ersten Juden, die hierher deportiert wurden, waren mehrere hundert Familien aus Bratislava. Das klerikalfaschistische Satellitenregime der Slowakei hatte in den vorausgehenden Verhandlungen aus katholischer Überzeugung heraus darauf bestanden, dass die Männer nicht ohne ihre nächsten Angehörigen verschleppt werden dürften. Für jeden der Deportierten erhielt die SS daher 500 Reichsmark von der Slowakei, damit, so lautete der Konsens, die Mehrkosten für die Unterbringung der nicht arbeitsfähigen Familienmitglieder gedeckt wären.