Monatsarchiv für May 2003

 
 

»wenn ich nicht in den schutz des gefängnisses gekommen wäre, wäre ich nicht mehr am leben.«

konterrevolution“, “übergang der verfassungswirklichkeit in eine helotengesellschaft“.

140 jahre festhalten an deutschland – die spd, das guthabenkonto deiner befreiung.

eine landschaft wird nur selten besser, wenn man sie mit eigenen augen gesehen hat

amerikanisierung vor hundert Jahren: installation elektrischen lichts.

kürzlich jemanden wiedergetroffen, teilzeitarbeitender akademiker, der, nachdem er vor einem vierteljahr das rauchen aufgegeben hat, nun auch kaffee und tee nicht mehr anrührt. stattdessen brüht er sich eine tasse heissen wassers auf und trinkt das dann. die bemerkung, dass er sich damit schon ganz ausgezeichnet an die im gefolge anbrandender lohnschrumpfungswellen fahrt aufnehmende konjunktur neopuritanischer lustabschneidung anschmiege, ihr vermutlich sogar, gleichsam, ein tässchen voraus sei, fand er aber nicht so komisch. ihm schmecke heisses wasser einfach gut, und vor allem sei das doch gesünder als immer diese genussgifte, war die bekannt klingende entgegnung, durch deren fadenscheinige textur hindurch ich die neue armut lächeln sah. ich versuchte noch, das gespräch mit dem hinweis zu retten, der genuss von heissem wasser sei, recht bedacht, die einzig überzeugende antwort auf all jene ungelösten fair-trade-probleme, mit denen sich die aufgeklärteren unter den selbstvergiftern im letzten viertel des 20. jahrhunderts herumgeschlagen hätten. er nickte leicht und schaute mich dabei aber schwer unentschieden an, als wäre er noch nicht alt genug, jemals einen sandinokaffee getrunken zu haben. er nippte, ich nippte, wir schwiegen.

»das häßliche bleiche gesicht, schütterer schnurrbart über ungesund dicken lippen und degeneriert fliehendem kinn. unbestimmter, eher sinnender, träumender, schauender als beobachtender und zielgerichteter blick. große augen dabei, ein wenig matt und traurig verhangen durch nicht ganz gehobene lider unter schweren jochbögen, über runzligen tränensäcken. auf dem schoß große, angesichts der schmächtigen gestalt zu große und lange hände. all das verstärkt den eindruck des leicht morbiden, späten, unvitalen, eines mannes aber, der in lässigkeit und ‘tenue’ das kluge bewußtsein dieser mängel besitzt und erduldet und der weiß, daß, wo sie beschränken, doch auch organe der einsicht erschließen, die dem strotzenden leben und der aktivität versagt sind. in den angedeuteten zügen glaubt man den schreiber seiner erzählungen wiederzuerkennen, wenngleich die bedeutenden erst später als dieses bild entstanden sind.« (germanistische bildbeschreibung 1963)

dating – nee, heute abend passt es nicht so besonders gut…– was machst du denn da? – ach, so allerhand, kontoauszüge abheften und so.