Archiv der Kategorie ‘Staatsbürgerkunde‘

 
 

Verbindung zu den „Ehemaligen“


Screenshot: “Alumni”-Seite der Universität (zu) Bayreuth, 22.02.2011

Screenshot: “Alumni”-Seite der Universität (zu) Bayreuth, 28.02.2011

Besorgt stellen wir fest

Deutsche Wissenschaftskultur. Es werde nun sogar per Krautsourcing erforscht, ob und wo der Minister abgeschrieben und darin die Zitiermoral herabgesetzt habe. Hingegen sein fürsorgend bekennendes Dienstverhältnis zu einer Bande bezahlter Totschläger (eine Fussnote im Staatshaushalt) das gesellschaftliche Ansehen des Zu-Manns heraufsetze.

Gemma wöhln

Und einer trage des anderen Lasten der Krise. Und die alten Atomkraftwerke sollen zwanzig Jahre weiterlaufen oder neue gebaut werden, weil es schade wäre um die deutsche Spitzentechnik. Und den Arbeitslosen wird die Stütze gekürzt, damit sie wieder Lust auf einen Job bekommen. Und Jugoslawien wird bombardiert, weil wir aus Auschwitz gelernt haben. Und das mit der Rente haut nicht mehr hin, weil die Menschen, gratuliere, heute älter werden, als wirtschaftlich vernünftig ist. Und die Flüchtlinge müssen draussen bleiben, denn es ist unfair, den ärmeren Ländern ihre besten Kräfte wegzunehmen. Und die Schulen sollen besser werden, damit alle lernen können zu glauben, dass sie noch gebraucht würden. Und die SPD soll sich regenerieren, weil Deutschland immer gut gefahren ist mit zwei Volksparteien. Und die Schwulenemanzipation ist nützlich, weil man mit dem neuen Aussenminister die Saudis und die anderen muslimischen Länder ärgern kann. Und die Oppositionsparteien werden gebraucht, denn die Demokratie lebt davon, dass von Zeit zu Zeit die Köpfe ausgetauscht werden. Und man muss den Leuten einen Mindestlohn geben, damit die Binnennachfrage steigt. Und Kriege müssen geführt und Menschen umgebracht werden, weil der Staat Verträge hat. Und die Steuern werden gesenkt, weil es sich mehr rechnen muss, andere für sich arbeiten zu lassen. Und wir halten gemeinsam fest an der Idee vom Kapitalismus in einem Land und machen Kreuzchen, denn es unterhält uns, wie es sie unterhält.

Sie haben (nicht) gewählt

Landtagswahl Saarland 2009 *
804.622 wahlberechtigte Deutsche (78,1% der Bevölkerung)

Nichtwählende 32,4% (260.395)
CDU 22,9% (184.537)
SPD 16,3% (131.241)
Die Linke 14,1% (113.660)
FDP 6,1% (49.046)
Grüne 3,9% (31.516)
Familie 1,3% (10.710)
Ungültigwählende 1,2% (9.435)
NPD 1,0% (8.099)
Übrige (FW, FBU, GUR) 0,7% (5.965)

Landtagswahl Sachsen 2009 *
3509.195 wahlberechtigte Deutsche (83,7% der Bevölkerung)

Nichtwählende 47,8% (1678.380)
CDU 20,6% (723.000)
Die Linke 10,5% (370.199)
SPD 5,3% (187.222)
FDP 5,1% (178.869)
Grüne 3,3% (114.984)
NPD 2,9% (100.832)
Tierschutzpartei 1,1% (36.914)
Piraten 1,0% (34.620)
Ungültigwählende 1,0% (33.681)
Übrige (FS, PBC, SVP, BüSo, REP, DSU, HW, FPD) 1,4% (50.494)

Landtagswahl Thüringen 2009 *
1909.007 wahlberechtigte Deutsche (84,2% der Bevölkerung)

Nichtwählende 43,8% (835.328)
CDU 17,2% (329.241)
Die Linke 15,1% (288.932)
SPD 10,2% (195.353)
FDP 4,2% (80.511)
Grüne 3,4% (64.889)
NPD 2,4% (45.401)
Freie Wähler 2,1% (40.834)
Ungültigwählende 1,0% (19.478)
Übrige (REP, ÖDP) 0,5% (9.040)

Die Nacht, in der in Amerika ein neuer Führer gewählt wird

Als ungefähr ein Viertel aller Wahlscheine gezählt sind und es danach aussieht, dass der Schwarze Obama der nächste Führer der freien Welt werden wird, erklärt einer der Kommentatoren im US-Fernsehen der übrigen Menschheit in den verbündeten, den rivalisierenden, den verfeindeten und den gescheiterten Staaten, wie sie das zu verstehen hat: Wenn so einer zum Präsidenten gewählt werden kann, muss die Welt uns wieder mehr Respekt entgegenbringen, als es derzeit der Fall ist. Im deutschsprachigen Internet lässt sich derweil ein Distinktionsgewinn mit der glaubhaft zu belegenden Behauptung erzielen, den Namen des wahrscheinlichen nächsten Commander-in-Chief schon vor vier Jahren zur Kenntnis genommen zu haben. Wie an Wahltagen üblich, bezahlt der Sender CNN viele vor und hinter Computerbildschirmen sitzende Menschen, wortreich die Tatsache zu verleugnen, dass sie nur darauf warten können, bis einer der Kandidaten, wenngleich niemals die Mehrheit der Bevölkerung, doch wenigstens die kompakte Majorität von 270 Wahlstimmen erreicht hat. Das ist, als wäre das Publikum unfähig, die elementaren Regeln der demokratischen Anmutung sich einzuprägen, die alle fünf bis zehn Minuten wiederholte magische Zahl. In der überaus sportlichen Magie von Sieg oder Niederlage, die das auf der Grundlage des First Amendment operierende Gewerbe zu beschwören pflegt, geht verständlicherweise verloren, dass auch diesmal mehr als zwei Wahlvorschläge zur Abstimmung standen. Finanziert wird das Honorar des CNN-Personals unter anderem durch Werbung des chinesischen Fremdenverkehrsamts, als hätte sich das Zentralkomitee in Peking, entdecke Chinas Geheimnis, einen subtilen Hinweis darauf gestatten wollen, dass auch die weltbeste Demokratie inzwischen zu einem erheblichen Teil aus den Einlagen volksrepublikanischer Sparbücher unterhalten wird. Als im Fernsehen das wichtigste Resultat dieser Election Night vermeldet worden ist, zeigt das Fernsehen Menschenaufläufe, die die Meldung des Fernsehens bejubeln. Während im Studio afrikanische Amerikaner erläutern sollen, warum sie diesen Abend für die Grösste Nation auf Erden und also überhaupt für geschichtsträchtig halten, fällt kurz das Bild aus. Bevor es wieder da ist, erscheint ein Statusbalken, darunter steht Load Game.

Unknown Knowns

Viele Menschen, die genau zu wissen schienen, dass die Haut des Präsidentschaftswerbers dunkel genug war, ihn schwarz zu nennen, wünschten sich, dass er gewählt würde, als Zeichen gegen den Rassismus.

After Debate

Eines der Organisationsprinzipien unseres Herrschaftssystems fasste neulich irgendwo irgendjemand zusammen als »Du entscheidest darüber, wer die Anweisungen der Lobbyisten ausführen darf«. Das ist, nehmen wir an, eine sarkastisch gemeinte Vereinfachung, denn anscheinend geht es, einerseits, auch darum zu beeinflussen, in welcher Reihenfolge die Anweisungen der Lobbyisten abgearbeitet werden. Andererseits hat Poulantzas sich dann doch recht früh für den Freitod entschieden.
Die Benutzeroberfläche unseres Herrschaftssystems lädt einstweilen immer wieder zur heimlichen Beantwortung nicht gestellter Fragen ein. Zum Beispiel der Frage, ob eine der Darstellerinnen der Rolle zukünftige Präsidentengattin ein besonderes Training durchlaufen habe. Zu lernen, beim Bewinken des Plebs den Arm nicht über Kopfhöhe zu heben. Weil das, wenn der Darsteller der Rolle zukünftiger Präsident danebensteht, unvorteilhaft wirken könnte für den Darsteller, der etwas an der Schulter hat und den Arm nicht hochkriegt, so eine Sache, für die es dreissig Prozent gibt vom Versorgungsamt, das Alter, die Spätfolgen der Teilnahme am Massentotschlag in Südostasien, das weiss wahrscheinlich nur sein Arzt und es wäre auch ganz egal. Wenn in unserem Herrschaftssystem die Fähigkeit geschmeidigen Winkens nicht allemal zehn gute Argumente aufwiegen würde, mindestens.